Brautjungfern gehören zu einer Hochzeit dazu – auch und gerade in China, wo die Zeremonien teilweise klaren Ritualen und gesellschaftlichen Vorgaben zu folgen haben. Doch für manche Heiratswillige gestaltet es sich aus verschiedenen Gründen schwierig, beim Ja-Wort Freundinnen an ihrer Seite zu haben. Verzichten wollen sie darauf dennoch nicht. Und so boomt in China gerade der Markt für das Mieten von Brautjungfern.
Er erwarte, dass die Industrie im nächsten Jahr noch einmal um 25 bis 30 Prozent wachsen werde, sagt Cao Zhonghua, Experte für die chinesische Kultur. Agenturen, die passende Brautjungfern und Trauzeugen vermitteln, schießen im Reich der Mitte quasi aus dem Boden – weil die Nachfrage entsprechend groß ist. Laut eines Berichts des chinesischen Staatssenders CCTV sind bei einer dieser Agenturen bereits 50.000 Männer und Frauen registriert, die engagiert werden können. Jeden Tag gebe es zehn bis 20 Anfragen.
Vor allem jungen Frauen sehen in dem neuen Trend eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Umgerechnet winken 75 und 300 Euro bei jedem Einsatz, berichtete eine professionelle Brautjungfer "The Sixth Tone", einer staatlichen chinesischen News-Website. Manche fliegen dafür durchs ganze Land und absolvieren Dutzende Hochzeiten innerhalb eines Jahres. Am Tag der Hochzeit geben sie vor, der beste Freund oder die beste Freundin des Bräutigams oder der Braut zu sein – eine Rolle, die sie perfekt spielen müssen.
Denn es gibt auch Anforderungen: "Nicht zu schön und nicht zu hässlich" dürften die Brautjungfern sein, heißt es in einem Medienbericht. Sie müssen unverheiratet sein und dürfen selbst nicht zu sehr auffallen. Dazu zählt auch, dass die Brautjungfern nicht größer als die Braut selbst sein dürfen.
Einen großen Faktor für das Aufkommen der Brautjungfern-Industrie stellte die Covid-19-Pandemie und Chinas "Zero Covid"-Politik dar. Zwar existierte die Branche schon vor der Pandemie. Doch weil bereits bei wenigen Corona-Fällen ganze Metropolen in einen Lockdown versetzt wurden, kam es immer öfter vor, dass die wirklichen Freundinnen und Freunde des Brautpaars nicht anreisen konnten. Planungssicherheit war somit bis zuletzt nicht gegeben, immer mehr Brautleute engagierten deshalb professionelle Helfer.
"Die Pandemie ist ein zweischneidiges Schwert", sagt Brautjungfer Xie Yuke. "Einerseits verschieben viele Paare ihre Hochzeiten. Andererseits können die Freundinnen vieler Bräute wegen der Pandemie nicht reisen."
Quellen: "The Sixth Tone" / "Fortune" / "South Morning China Post"
Sehen Sie im Video: Viele Paare planen monatelang ihre Hochzeitsfeier, denn der Tag soll in toller Erinnerung bleiben. Dabei ist das Budget oft klein. Diese Influencerin zeigt, wie Sie eine pompöse Hochzeit feiern können – und das für wenig Geld.
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